Exzellenz braucht eine Bühne - Projekt "Walhalla"

- Das Walhalla-Projektteam von JCNetwork
"Walhalla" war der Auftakt für die gemeinnützige Beratungsprojektreihe JCCare. Neun studentische Berater aus vier Vereinen entwickelten Ende 2006 ein Fundraising-Konzept für die dringend notwendige Sanierung der Berliner Staatsoper Unter den Linden. Etliche Ideen, die das Team entwickelt hat, werden mittlerweile umgesetzt und tragen so zur Verwirklichung des Vorhabens bei. Lesen Sie unseren Projektbericht:
Bühnenbild
Das Forum Fridericianum ist einer der beeindruckendsten Plätze Berlins. Hier, in unmittelbarer Nähe zu Humboldt-Universität, Alter Wache und Berliner Dom, steht eines der führenden Opernhäuser der Welt: die Deutsche Staatsoper Unter den Linden. 1743 erbaut, ist sie älter als die Mailänder Scala, mit Daniel Barenboim leitet einer der größten Dirigenten der Gegenwart das Orchester, Weltstars wie Anna Netrebko und Rolano Villazon gastieren. Doch der Spielbetrieb ist gefährdet: Die Bausubstanz ist marode, die Technik veraltet. Die Sanierung ist, obwohl der Bund und das Land Berlin finanzielle Hilfe leisten wollen, ohne privates Engagement nicht möglich.
Ouvertüre
Das erste Septemberwochenende ist sonnig. Wir treffen uns zum ersten Mal in Berlin: Neun Teammitglieder aus vier studentischen Unternehmensberatungen aus dem JCNetwork. Unser Auftrag ist die Erstellung eines Fundraising-Konzepts für die Sanierung der Staatsoper. Schon knapp sechs Wochen später soll die Abschlusspräsentation sein. Sechs Wochen für ein Konzept, das von privater Seite einen zweistelligen Millionenbetrag einbringen soll? Wir zweifeln – alle verfügen zwar über Beratungserfahrung, einige von uns haben sogar schon drei oder vier Projekte gemacht, aber niemand von uns hat zuvor an einem vergleichbaren Projekt mitgearbeitet. Aber wir haben uns vorbereitet, andere Opernhäuser und Kulturbetriebe aus unterschiedlichen Ländern mit deren Finanzierungskonzepten angesehen. Und der erste Coaching-Tag mit Matthias Kannegiesser von A.T. Kearney macht Mut. Man wird an einem Tag gewiss nicht zum Profi, aber wir lernen bei unserem „Kick-off“ in wenigen Stunden schon einiges über die Aufbereitung unserer Daten, strategisches Vorgehen, Konzeption und die richtige Präsentationstechnik.
Der Vorhang hebt sich
Wenige Tage später beziehen wir unser Projektbüro in den Räumen des Fördervereins. Von da an ist montags Jour Fixe mit unseren Auftraggebern, den Rest der Woche arbeiten wir teils vor Ort, teils von zu Hause aus. Die Ideen eines ersten Brainstormings im A.T. Kearney-Office arbeiten wir aus und prüfen sie auf ihre Umsetzbarkeit. Kreative Leistungen sind bei unserer Konzepterstellung genau so gefragt wie saubere Recherchen und Berechnungen. Dadurch kann sich im Team jeder entsprechend seiner Neigungen einbringen. Und so entwerfen wir einen Opernshop, treffen uns mit potenziellen Lieferanten und Dienstleistern, denken über neue Stufen der Fördermitgliedschaft nach und arbeiten Events aus. Mehrmals halten wir Telefonkonferenzen mit Beratern von A.T. Kearney ab oder treffen uns persönlich. Wir besprechen den Fortschritt des Projektes und die nächsten Schritte. Außerdem machen wir mit dem Technischen Direktor der Staatsoper einen Rundgang durch das Haus und verschaffen uns so einen besseren Eindruck vom Sanierungsbedarf. Die Besichtigung des „alten Kastens“ motiviert uns genauso wie der Besuch dreier Opernaufführungen: Begeistert sehen wir „Maria Stuarda“, „Cosi fan tutte“ (inszeniert von Doris Dörrie) und eine atemberaubende „Carmen“. Crescendo: Der Präsentationstermin rückt immer näher. Wir legen Nachtschichten ein. Immer wieder wird nachgerechnet: Was könnten wir zusammenbekommen, wie viel Geld brauchen wir noch, wie motivieren wir mögliche Spender? Wir könnten ein, zwei Stunden und mehr präsentieren, aber wir bekommen wohl nur eine halbe Stunde. Immer wieder holen wir uns Rat bei A.T. Kearney, immer wieder überarbeiten wir Folien, versuchen neue Grafiken, verdichten Inhalte.
Finale
Die Nacht vor der Präsentation ist kurz. Am letzten Vormittag drucken wir die Handouts, die üben die Präsentation noch einmal, machen eine letzte Feedbackrunde. Kurz vor 16 Uhr dann zum Termin. Wir sind angespannt, aber die Vorbereitung der letzten Wochen und das Lampenfieber helfen, konzentriert zu bleiben. Jeder zieht seinen Part souverän durch. 18 Minuten, dann bleibt der Zeiger stehen. Die Vorstandsmitglieder des Fördervereins zeigen sich beeindruckt, wir sind erleichtert – und auch ein wenig stolz. Obwohl wir alle ziemlich geschlaucht von den vergangenen Wochen sind, lassen wir uns eine standesgemäße Feier nicht entgehen.
Sechs Wochen liegen hinter uns, in denen wir viel gelernt, noch mehr gearbeitet, aber auch jede Menge Spaß gehabt haben. Mittlerweile geht es an die Umsetzung des Konzepts, und wir freuen uns schon jetzt auf die Einweihung der sanierten Staatsoper an diesem historischen Ort.